Körperschaftsteuer in Italien (IRES und IRAP) für ausländische Unternehmen 2026: Kompletter Leitfaden
Wenn ein ausländischer Unternehmer eine SRL in Italien gründet oder eine Niederlassung eröffnet, ist die Besteuerung meist die nächste zentrale Frage. Das italienische Körperschaftsteuersystem ruht auf zwei Säulen: IRES (staatliche Körperschaftsteuer von 24 %) und IRAP (regionale Produktionssteuer von 3,9 %). Wer die italienische Gesellschaftsform mit einer deutschen GmbH vergleicht, die Steuerlast einer internationalen Gruppe plant oder die Regeln für eine Betriebsstätte prüft, muss deshalb Bemessungsgrundlage, Abzüge und regionale Unterschiede gemeinsam betrachten.
Dieser Leitfaden zeigt, wann ein ausländisches Unternehmen in Italien steuerpflichtig wird, wie IRES und IRAP berechnet werden, welche Kosten abziehbar sind und welche Fristen 2026 gelten. Die Begriffe werden beim ersten Auftreten erklärt: Die Agenzia delle Entrate ist die italienische Steuerbehörde; ein commercialista ist der zugelassene italienische Steuerberater, der typischerweise die Steuererklärungen und Zahlungen betreut.
Für Arbeitnehmer und Selbstständige, die ihren steuerlichen Wohnsitz ab 2024 nach Italien verlegen, kann außerdem Artikel 5 des gesetzesvertretenden Dekrets 209/2023 relevant sein. Danach sind 50 % des qualifizierenden in Italien erzielten Arbeits- oder selbstständigen Einkommens steuerfrei, beziehungsweise 60 % bei einem Umzug mit minderjährigem Kind oder einer Geburt beziehungsweise Adoption während des Förderzeitraums, wenn das Kind in Italien lebt. Die Begünstigung gilt bis zu 600.000 EUR qualifizierendem Einkommen je Steuerperiode, für fünf Steuerperioden (Umzugsjahr und die folgenden vier), ohne Verlängerung und ohne regionalen Zuschlag. Der übersteigende Betrag wird normal besteuert.
Was ist IRES? Italiens Körperschaftsteuer erklärt
IRES (Imposta sul Reddito delle Società) ist die staatliche italienische Körperschaftsteuer. Der Standardsatz beträgt seit 2017 24 %. Italienische ansässige Unternehmen, etwa eine SRL oder SPA, zahlen IRES auf ihr weltweit steuerpflichtiges Einkommen. Nicht ansässige Unternehmen werden auf italienische Einkünfte besteuert, wenn sie in Italien eine Betriebsstätte unterhalten.
Die steuerpflichtige Bemessungsgrundlage entsteht, indem zulässige Betriebsausgaben von den gesamten Erlösen abgezogen werden. Das italienische Steuerrecht legt dabei fest, wie Abschreibungen, Rückstellungen, vorgetragene Verluste und Geschäfte zwischen verbundenen Unternehmen zu behandeln sind. Ein einfaches Beispiel: Erzielt eine ausländisch gehaltene SRL 500.000 EUR Umsatz und hat sie 350.000 EUR abzugsfähige Aufwendungen, beträgt der steuerpflichtige Gewinn 150.000 EUR. Die IRES beläuft sich dann auf 36.000 EUR, also 24 % von 150.000 EUR.
Praxis-Hinweis — Giovanni Emmi, Dottore Commercialista
Viele ausländische Mandanten sehen zunächst nur den IRES-Satz von 24 %. Dabei werden IRAP und weitere anwendbare Steuern leicht übersehen. Für eine belastbare Planung sollten Sie eine kombinierte effektive Belastung von 27 bis 31 % einplanen, abhängig von Region und Kostenstruktur. Eine sorgfältige Planung vor Jahresende ist günstiger als eine unerwartete Nachzahlung.
IRAP verstehen: regionale Produktionssteuer
IRAP (Imposta Regionale sulle Attività Produttive) ist eine besondere italienische Steuer auf den Nettowert der Produktion, nicht unmittelbar auf den Gewinn. Der nationale Standardsatz beträgt 3,9 %; jede Region kann ihn um bis zu 0,92 Prozentpunkte anpassen. Während IRES den Nettogewinn erfasst, setzt IRAP grundsätzlich bei Erlösen abzüglich Rohstoffen, eingekauften Dienstleistungen und bestimmten Personalkosten an. Dadurch kann IRAP auch dann anfallen, wenn kein Gewinn entsteht.
Zur Einordnung: Eine digitale Beratungs-SRL in Mailand erzielt 400.000 EUR Umsatz. Sie hat 150.000 EUR Subunternehmerkosten, 100.000 EUR Miete und 120.000 EUR Gehälter. Bei einem IRAP-Satz von 3,9 % in der Lombardei ergibt sich eine IRAP von ungefähr 6.240 EUR. In wichtigen Wirtschaftszentren wie Mailand, Rom und Turin liegt der Satz typischerweise bei 3,9 %. Prüfen Sie den tatsächlich geltenden regionalen Satz aber mit Ihrem commercialista, weil Regionen eigene Anpassungen vornehmen können.
Für die Finanzplanung ist entscheidend, dass IRES und IRAP unterschiedliche Grundlagen haben. Ein Kostenposten, der den IRES-Gewinn mindert, wirkt daher nicht automatisch in gleicher Weise auf IRAP. Wer nur den Gewinn betrachtet, unterschätzt das Ergebnis der italienischen Gesamtsteuerrechnung. Die tatsächliche effektive kombinierte Belastung liegt häufig zwischen 27 und 31 %.
Wann schuldet ein ausländisches Unternehmen in Italien Steuern?
Eine ausländische Gesellschaft wird in Italien grundsätzlich voll IRES- und IRAP-pflichtig, sobald ihre Tätigkeit eine Betriebsstätte (permanent establishment, PE, italienisch „stabile organizzazione“) begründet. Nach den italienischen, an OECD-Grundsätzen ausgerichteten Regeln kann eine Betriebsstätte durch einen festen Geschäftsort entstehen, etwa ein Büro, eine Niederlassung oder eine Fabrik. Auch ein abhängiger Vertreter, der regelmäßig Verträge im Namen des ausländischen Unternehmens abschließt, kann eine PE begründen.
Ohne Betriebsstätte fallen im Allgemeinen nur Quellensteuern auf bestimmte italienische Einkünfte an, zum Beispiel Dividenden, Lizenzgebühren oder Dienstleistungsentgelte. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Verkauf nach Italien automatisch eine Betriebsstätte schafft.
Ein Softwareunternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich, das online an italienische Kunden verkauft und keine physische Präsenz in Italien hat, begründet im Regelfall keine PE. Beauftragt dasselbe Unternehmen dagegen einen lokalen Vertriebsmitarbeiter in Mailand, der Verträge in seinem Namen unterzeichnet, entsteht wahrscheinlich eine Betriebsstätte und damit eine umfassende italienische Körperschaftsteuerpflicht.
Praxis-Hinweis — Giovanni Emmi, Dottore Commercialista
Unternehmen strukturieren ihren Markteintritt manchmal gezielt ohne Betriebsstätte, etwa mit unabhängigen Agenten oder Vertriebspartnern statt Arbeitnehmern. Das kann legitime Steuerplanung sein. Die Grenze zwischen unabhängigem Auftragnehmer und abhängiger Person ist aber schmal; die italienische Steuerbehörde prüft solche Modelle sorgfältig.
Die passende Struktur wählen: SRL oder Niederlassung
Die SRL (Società a Responsabilità Limitata) ist das häufigste Fahrzeug für ausländische Unternehmer. Sie bietet Haftungsbeschränkung, kann mit einem Mindeststammkapital von nur 1 EUR gegründet werden; 10.000 EUR gelten als Standard für eine bessere Glaubwürdigkeit bei Banken. Eine SRL wird automatisch in Italien steuerlich ansässig. Sie unterliegt IRES auf weltweite Einkünfte sowie IRAP und reicht jährlich die Körperschaftsteuererklärung Modello REDDITI SC bis zum 30. November ein.
Eine Niederlassung (filiale) ist dagegen keine eigene juristische Person, sondern eine Erweiterung der ausländischen Muttergesellschaft. Steuerlich wird sie als Betriebsstätte behandelt und zahlt IRES und IRAP auf italienische Einkünfte. Gewinne und Verluste fließen unmittelbar in die Steuererklärung der Muttergesellschaft ein. Das kann vorteilhaft sein, wenn die Mutter in einer niedrigeren Steuerjurisdiktion ansässig ist.
Die Wahl ist deshalb nicht nur eine Steuersatzfrage. Eine SRL schafft eine eigene Rechtspersönlichkeit und einen Haftungsschutz, während die Niederlassung die Verbindung zur Muttergesellschaft beibehält. Für viele ausländische Unternehmer überwiegt der Schutz der SRL die zusätzlichen, meist überschaubaren Compliance-Kosten. Ein Vergleich zwischen SRL und GmbH in Italien hilft bei der ersten Einordnung.
Abzüge, Abschreibungen und Zinsbegrenzung
Das italienische Steuerrecht (TUIR) erlaubt SRLs grundsätzlich, Gehälter, Sozialbeiträge, Miete, Honorare, Warenkosten, Versorgungsleistungen, Versicherungen, Werbung, Geschäftsreisen und Abschreibungen nach den gesetzlich vorgesehenen Sätzen abzuziehen. Mahlzeiten und Bewirtung sind zu 75 % abzugsfähig, allerdings nur bis zu den täglichen Grenzen von 70 EUR für Arbeitnehmer und 130 EUR für Kunden.
Nicht abzugsfähig sind unter anderem Strafen, IRES und IRAP selbst, Bewirtung oberhalb der gesetzlichen Grenzen sowie Kosten, die steuerfreies Einkommen betreffen. Diese Abgrenzung ist besonders wichtig, wenn die italienische Gesellschaft konzerninterne Leistungen erhält oder verschiedene Einkunftsarten kombiniert.
Auch bei Fremdkapital gelten Grenzen. Der Nettozinsabzug ist nach den EU-ATAD-Regeln auf 30 % des EBITDA begrenzt. Bis zu einer De-minimis-Schwelle von 3 Millionen EUR greift diese Begrenzung nicht; überschüssige Beträge können unbegrenzt vorgetragen werden. Daneben können je nach Investition Abschreibungs- und Investitionsanreize verfügbar sein. Prüfen Sie dafür die Förderungen für Unternehmen in Italien, bevor Sie eine Investition oder Finanzierung endgültig strukturieren.
Quellensteuer und grenzüberschreitende Zahlungen
Wenn ein ausländisches Unternehmen Einkünfte aus italienischer Quelle erhält, kann unabhängig von IRES und IRAP eine Quellensteuer anfallen. Dividenden an einen ausländischen Körperschaftsgesellschafter unterliegen grundsätzlich einer Quellensteuer von 26 %. Die meisten Doppelbesteuerungsabkommen reduzieren diesen Satz auf 5 %, 10 % oder 15 %. Nach der EU-Mutter-Tochter-Richtlinie können Dividenden an eine qualifizierende EU-Muttergesellschaft mit mindestens 10 % Beteiligung steuerfrei sein.
Auch Lizenzgebühren unterliegen grundsätzlich 26 %; viele Abkommen reduzieren sie auf 5 bis 10 %. Zinszahlungen sind nach EU-Recht und den meisten Abkommen in der Regel steuerfrei, wenn sie fremdüblich und ordnungsgemäß dokumentiert sind. Eine US-Gesellschaft, die Dividenden von ihrer italienischen SRL erhält, muss sowohl die italienische, möglicherweise abkommensreduzierte Quellensteuer als auch die Anrechnung ausländischer Steuern in den USA prüfen.
Fristen und Compliance 2026
Für 2026 sind die IRES- und IRAP-Vorauszahlungen in zwei Raten fällig: 16. Juni mit 40 % der Steuerschuld des Vorjahres und 30. November mit dem Restbetrag. Neue Unternehmen berechnen die Zahlung nach einer reduzierten „Mindestvorauszahlung“. Die jährliche Körperschaftsteuererklärung Modello REDDITI SC für das Steuerjahr 2025 muss bis 30. November 2026 eingereicht werden.
Bei Geschäften mit verbundenen Unternehmen muss die Verrechnungspreisdokumentation jedes Jahr erstellt werden. Auf Anfrage der Steuerbehörde muss sie innerhalb von 20 Arbeitstagen zur Verfügung stehen. Eine gute Planung berücksichtigt zusätzlich die regionale Behandlung der IRAP und die Fristen der Agenzia delle Entrate. Einen Überblick bietet der italienische Steuerfristen-Kalender für deutsche Unternehmer.
Praxis-Hinweis — Giovanni Emmi, Dottore Commercialista
Eine versäumte Steuerfrist löst in Italien automatische Sanktionen aus. Diese beginnen bei 2 % der nicht gezahlten Steuer und können bei erheblichen Verzögerungen auf 30 % steigen. Zusätzlich fallen Verzugszinsen zum gesetzlichen Satz an, der 2026 ungefähr 2,7 % beträgt. Für ausländische Unternehmen ist die zuverlässige Einhaltung jeder Frist oft der wichtigste praktische Beitrag eines commercialista.
YourBusinessInItaly empfiehlt
Eine wirksame Körperschaftsteuerstrategie in Italien berücksichtigt Gesetzesänderungen, regionale Unterschiede und grenzüberschreitende Abkommen gemeinsam. YourBusinessInItaly unterstützt ausländische Unternehmer bei der Wahl der geeigneten Rechtsform und bei der steuerlichen Planung ab dem ersten Tag. Ob Sie Ihre erste SRL gründen, eine Niederlassung strukturieren oder einen bestehenden Betrieb reorganisieren: Ein qualifizierter commercialista und ein Rechtsberater helfen, die italienischen Pflichten nachvollziehbar und fristgerecht umzusetzen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Körperschaftsteuer zahlt eine ausländisch gehaltene SRL in Italien?
Eine ausländisch gehaltene SRL zahlt 24 % IRES auf das steuerpflichtige Einkommen sowie ungefähr 3,9 % IRAP auf den Wert der Produktion. IRAP wird auf einer breiteren Grundlage als der steuerpflichtige Gewinn berechnet und ist selbst nicht von der IRES abzugsfähig. Deshalb liegt die kombinierte effektive Belastung je nach Region und Kostenstruktur typischerweise zwischen 27 % und 31 %.
Muss ich IRES zahlen, wenn ich ohne physische Präsenz online nach Italien verkaufe?
Im Allgemeinen nicht. Ohne Betriebsstätte in Italien – also ohne Büro, Arbeitnehmer oder abhängigen Vertreter mit Vertragsabschlussvollmacht – unterliegen italienische Umsätze normalerweise weder IRES noch IRAP. Allerdings kann Mehrwertsteuer (IVA) anfallen, wenn grenzüberschreitende Verkäufe den EU-B2C-Schwellenwert von 10.000 EUR pro Jahr übersteigen. Dann können eine italienische Umsatzsteuerregistrierung und regelmäßige Meldungen erforderlich werden.
Ist eine Niederlassung oder eine SRL aus steuerlicher Sicht besser?
Eine SRL bietet Haftungsbeschränkung und ist eine eigene juristische Person; sie zahlt IRES auf weltweite Einkünfte. Eine Niederlassung bietet keinen Haftungsschutz, lässt Gewinne und Verluste aber direkt in die Steuererklärung der Muttergesellschaft einfließen. Das kann bei einer Muttergesellschaft in einer niedrigeren Steuerjurisdiktion helfen. Für viele ausländische Unternehmer ist die SRL wegen Haftungsschutz und Bankenglaubwürdigkeit trotz des zusätzlichen Compliance-Aufwands die bevorzugte Lösung.